Bolsonaro und die Agrarchemkalien: 239 Neuzulassungen in den ersten 200 Tagen

von Svea Franz

In den ersten 200 Tagen hat die Regierung Bolsonaro bereits mehr Agrargifte neu zugelassen als die EU in den letzten acht Jahren. In Europa waren es 229 neue Substanzen seit 2011 und in Brasilien 239 seit Beginn 2019. Schon seit Juni 2018 liegt der Abgeordnetenkammer ein Gesetzesentwurf vor, der die Autorisierung und Kommerzialisierung neuer und abgewandelter Substanzen vereinfachen soll. Die aktuell beispiellose Geschwindigkeit von Neuzulassungen bringt die konservative Agrar-Fraktion des brasilianischen Parlaments jedoch dazu, ihre Bemühungen um das neue Gesetz einzuschränken. Die Mitglieder dieser Agrar-Fraktion, die die Interessen der Großgrundbesitzer im Parlament vertreten, „haben gesehen, dass sie als Regierungsmacht nicht länger auf die Gesetzgebung angewiesen sind“ erklärt auch Gerson Teixeira, Ex-Präsident des Verbandes der brasilianischen Landreform (ABRA).

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Acampamento Marielle Vive – ein urbanes Zeltlager der MST. Ein Kommentar über Landkonflikte, Leben und Mord und das Zerstören von Ordnungen (Sept 2019)

Von Benjamin Bunk

Am frühen Morgen des 18. Juli 2019 fährt ein Mann seinen Pick-up absichtlich in eine Demonstration der Movimento dos Sem Terra (MST) in Valinhos-SP. Ein 72-jähriger Aktivist aus dem Acampamento Marielle Vive stirbt, zehn weitere werden verletzt. Eine verstörende Handlungsweise, die hier Erinnerungen an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016, dort an das Vorgehen gegen die Bewegung der Landlosen in den 1980er Jahren weckt; die erste Tote der Bewegung, Roseli Nunes, wurde auf diese Weise umgebracht. Es entsteht der Eindruck, dass Jahrzehnte der (institutionellen) Demokratisierung in manchen Köpfen keine Spuren hinterlassen haben. Und es stellt sich die Frage, ob in Zeiten, in denen äußere Ordnungen zerstört oder haltlos werden, kein innerer Halt wider den Hass besteht. Dafür steht das MST-Zeltlager Marielle Vive – aber auch für eine neue Erfahrung der MST mit urbanen Besetzungen.

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Produktive MST: ein Einblick in die Arbeit der Kooperativen der Landlosenbewegung (Sept. 2019)

Vorwort von den amigas der MST und
Reisebericht von Felix Gies, El Puente

Seit mehr als 45 Jahren arbeitet die Fairhandels-Organisation El Puente mit Partnern in Afrika, Asien und Lateinamerika zusammen, unter anderem auch mit der MST. Anfang der 1990er Jahre wurde der Mate-Tee der MST-Kooperative Copermate ins Sortiment aufgenommen und belebt seither auch in Deutschland die Gemüter. Dieses und viele weitere fair gehandelte Produkte werden hauptsächlich über die Weltläden vertrieben und auch an Großkunden und Fairhandels-Organisationen in anderen Ländern Europas verkauft.

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Dialogreise: Widerständiges aber Produktives Brasilien, Sept. 2019 mit Luana Carvalho Aguiar (MST– Rio)

Movimento dos Sem Terra und Amigas do MST, Deutschland, in Kooperation mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika und vielen Anderen

BERLIN

3.09.:    Diskussionsveranstaltung: Frauen gehen voran – Beispiele für agroökologische Praktiken in Rio de Janeiro; mit Silvia Baptista (Rio)

  • 19:00 Uhr; FDCL, Gneisenaustr. 2a [Port. mit konsekutiv Verdolmetschung Deu.]
  • Veranstaltet von: FDCL, in Kooperation mit Situated Knowledges / Global Ecologies Workshop

4.09.     Dialogue (EN): Narratives of socio- environmental justice in Brazil: on the right to the territories and imaginaries; mit Silvia Baptista (Rio), Camila Nóbrega und Barbara Marcel

  • Veranstaltet von: Situated Knowledges/Global Ecologies Workshop

Filmvorführung und Diskussion mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

  • Veranstaltet von: Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg, Situated Knowledges/Global Ecologies Workshop, Amigos do MST, FDCL, Brasilien Initiative Berlin

5.09.     Vortrag und Filmvorführung mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

  • Veranstaltet von: Prachttomate, FDCL und Amigas do MST

6.09.     Vortrag und Diskussion mit Luana Carvalho Aguiar (MST) auf dem Gira-Festival: Welches Agro ist pop? Die Lebensmittelproduktion der MST als agrarökologische Alternative

  • 12-16 Uhr:; New Yorck im Bethanien, Mariannenpl. 2a [Port. mit konsekutiv Verdolmetschung Deu.]

FRANKFURT UND KÖLN

7.09.     Aktionstag mit Feijoada, Vortrag, Filmvorführung, Protest und Tanz

Ort: Rudolfstraße 13 (Gallusviertel), 60327 Frankfurt

  •    ab 13 Uhr: Feijoada und mehr
  • ab 14:00 Uhr: Brasilianischer Chor „Canta Resistencia“ & Vorstellung und Diskussion von Abá und anderen lokalen Aktionsgruppen
  • 15 Uhr: Filmvorführung und Diskussion: Chão – Landless (2019), über eine Landbesetzung der Landlosenbewegung (MST) in Goiás, Brasilien
  • 17:30 Vortrag von Luana Carvalho Aguiar (MST): Brasilien und der aktive Widerstand der Landlosenbewegung
  • Kurzprogramm nebenbei: Präsentation von Kurzfilmen, Kampagne Lula Livre, Kampagne gegen Agrotóxicos; Petitionen zum Amazonas; Kinderbetreuung und Kinderprogramm
  •    20:00 – 22.00 Festa Brasileira &

   Veranstaltet von Abá e.V, Amigas do MST und mehr  

8.09.     Mitgliederversammlung der Freundinnen der Landlosenbewegung MST

  • Zeit: 12.30 -15.30 Uhr, Pfarrheim Maria Hilf, Frankfurt

Vortrag und Filmvorführung mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

10.09.   Besuch und Austausch bei der SOLAWI – Solidarische Landwirtschaft, Gruppe Mannheim/Ludwigshafen

  • Zeit: 16 Uhr; Ort: N.N.

Die Kämpfe der Landlosenbewegung in Brasilien unter der neuen rechtskonservativen Regierung – Information und Diskussion

  • 19-21 Uhr; Gewerkschaftshaus Mannheim, Hans-Böckler-Str. 1 [Port. mit konsekutiv
  • Veranstaltet von: Arbeitskreis: „Solidarität mit brasilianischen Gewerkschaften“ im DGB (Region Nordbaden), dem Eine-Welt-Forum; dem Zukunftsforum Gewerkschaften Rhein-Neckar, Amigas do MST

11.09.   Besuch bei Bioservice Südbaden gGmbH

Ort: Eichstetten i. Br., Freiburg

Gesprächsrunde mit der ABL

   Zeit: ca. 20-22.00 Uhr; Eichstätten

12.09.  Fachgespräch: Politik in Brasilien – Widerständige Perspektiven

Zeit: 16.30, Ort: KoBra, Kronenstraße 16a, 79100 Freiburg

  • Veranstaltet von Kobra e.V und Amigoas do MST

Brasilien zwischen Militarisierung, Korruption, politischem Chaos und Widerstand. Drei Monate Regierung Bolsonaro. Wie reagiert die MST?(Rundbrief und Kommentar, März 2019)

Liebe amigas und amigos der MST,

gut ein Vierteljahr ist die Regierung Bolsonaro in Brasilien bereits an der Macht. In diesem Rundbrief wollen wir eine ‚kurze‘ Zusammenfassung der Geschehnisse in den ersten Monaten nach der Amtsübernahme geben und haben dafür wieder drei Artikel verfasst (siehe unten).

Schon in den ersten Tagen zeigte der neue Präsident bereits im Schnellschritt, dass er das Land gehörig umkrempeln und zahlreiche Rechte und Errungenschaften einschränken will. Zahlreiche Maßnahmen sorgten – auch international für Kontroversen. Es begann mit Änderungen in der Umweltpolitik, die eine fortschreitende Abholzung im Amazonasgebiet mit sich bringen, einer radikalen Kürzung bzw. Abschaffung von Strukturförderungsprogrammen auf dem Land, ‚ideologische Säuberung‚ und Zusammenlegung von Ministerien, sowie Etablierung rückwärtsgewandter Ideologien im Bildungssystem, die weder mit der Geschichte des Landes, noch mit der Vielfalt der brasilianischen Gesellschaft kompatibel sind und der Ankündigung, die Demarkation indigener Gebiete zu beenden. Weiterlesen

Jahresbilanz der Landlosenbewegung MST (Kommentar zum Mitgliederrundbrief, Dez. 2018)

Text: treemedia e.V.

Die Wochen vor und nach der Wahl Ende Oktober waren sehr spannungsreich und zeigen die Wichtigkeit, Solidarität mit der MST zu leisten und für den Schutz von Demokratie und Menschenrechte einzutreten.

108 Menschen wurden in Brasilien in diesem Jahr infolge von Konflikten auf dem Land ermordet, 15 von ihnen waren Aktivist*innen der MST. Die letzten Opfer waren zuletzt die beiden MSTler Orlando Bernardo und Rodrigo Celestino, die in Paraíba im Nordosten des Landes erschossen wurden. Weiterlesen

„Für die zivilgesellschaftlichen Kräfte und für die MST wird die Herausforderung der Widerstand sein“ (Dez. 2018)

– Wir haben eine Zukunft zu errichten. Eine Zukunft, die nicht kommen wird, wenn wir nicht fähig sind, die bestehende Ordnung zu überwinden.

Von Ayala Ferreira*

Der zukünftige Präsident Jair Bolsonaro kriminalisiert mit hasserfüllten Äußerungen die MST und ihren Prozess im Kampf um Land und für eine Agrarreform. Dies fordert nicht nur den Widerspruch einer organisierten Zivilgesellschaft heraus, sondern zeigt auch eine klare Positionierung einer Person, die zwar über eine große Verantwortung verfügt, aber zugleich die Realität im Agrarsektor unseres Landes, der durch unzählige Konflikte und Morde an Landarbeiter*innen geprägt ist, überhaupt nicht kennt. Weiterlesen

Die Siedlung „Maria Lara“ und das Konzept der Agrarökologie der MST (Okt 2018)

Wenige Monate nach der Delegationsreise der MST (Movimento dos sem Terra, Bewegung der Landlosen) durch Europa besuchte Constanze Lemmerich die Vertreterin der Nationaldirektion der MST, Ceres Hadich, im Bundestaat Paraná. Ceres vertritt dort die Landlosenbewegung und ist zuständig für die Koordination in der Region Parana. Dort ist die MST seit vielen Jahren stark vertreten. Aber immer wieder kommt es dort auch zu heftigen Konflikten. 

Hier der Beitrag [pdf] von Constanze Lemmerich (São Paulo), erschienen zunächst in CONTRASTE 13 (Okt. 2018; www.contraste.org).