Bolsonaro und die Agrarchemkalien: 239 Neuzulassungen in den ersten 200 Tagen

von Svea Franz

In den ersten 200 Tagen hat die Regierung Bolsonaro bereits mehr Agrargifte neu zugelassen als die EU in den letzten acht Jahren. In Europa waren es 229 neue Substanzen seit 2011 und in Brasilien 239 seit Beginn 2019. Schon seit Juni 2018 liegt der Abgeordnetenkammer ein Gesetzesentwurf vor, der die Autorisierung und Kommerzialisierung neuer und abgewandelter Substanzen vereinfachen soll. Die aktuell beispiellose Geschwindigkeit von Neuzulassungen bringt die konservative Agrar-Fraktion des brasilianischen Parlaments jedoch dazu, ihre Bemühungen um das neue Gesetz einzuschränken. Die Mitglieder dieser Agrar-Fraktion, die die Interessen der Großgrundbesitzer im Parlament vertreten, „haben gesehen, dass sie als Regierungsmacht nicht länger auf die Gesetzgebung angewiesen sind“ erklärt auch Gerson Teixeira, Ex-Präsident des Verbandes der brasilianischen Landreform (ABRA).

Ziel der jetzigen Regierung ist es, den Markt für Agrarchemikalien für Landwirte zugänglicher zu machen und die Preise dadurch zu drücken. Verschmutzungen der Umwelt, Verunreinigung der Lebensmittel oder gar ein gravierende Einfluss auf die Gesundheit und Leben von Menschen werden hingenommen und alle Register gezogen, um Brasilien als größte Agrarmacht zu etablieren.

Ende Juli diesen Jahres veröffentlichte Gerson Teixeira eine Erhebung, der zufolge fast die Hälfte (44%) aller Wirksubstanzen der neu zugelassenen Stoffe in den Ländern der EU verboten sind. „Während alle anderen Länder derzeit versuchen restriktiver mit Agrarchemikalien umzugehen, ist in Brasilien das Gegenteil der Fall“ so Teixeira in seiner Veröffentlichung über die Großgrundbesitzer und die Pestizide.

Unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen sei es kaum machbar, die Freigabe der Agrargifte zu verhindern, so Teixeira weiter: „Für den Kongress ist es sehr schwer. Die Arbeiterpartei hat zwar die Initiative ergriffen, um die Freigabe per Legislativdekret zu kippen, aber die Machtverhältnisse sind auch hier unvorteilhaft. Im Kongress ist das Agrarbusiness von der „bancada ruralista“ vertreten, die sich in der Parlamentsfraktion der Land- und Viehwirtschaft (Frente Parlamentar da Agropecuária – FPA) organisiert. Sie stellen 257 von insgesamt 594 Abgeordneten. Im gleichen Zug setzte die Nationale Agentur für gesundheitliche Kontrolle (Anvisa) im Juli 2019 die Grenze hoch, ab der ein Agrargift als „sehr giftig“ eingestuft wird. Jetzt sind nur noch solche Substanzen „sehr giftig“, die ein tödliches Risiko für den Menschen bergen. Zuvor fielen 34% aller klassifizierten Stoffe unter diese Kategorie, heute sind es nur noch 2%. Anvisa weißt Vorwürfe zurück und argumentiert, dass sich die neue Kategorisierung an internationalen Maßstäben orientiere (Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals).

Die kürzlich legalisierten Wirkstoffe sind aber nicht nur für den Menschen von Gefahr, sondern bedrohen auch Insekten wie z.B. Bienen. Wie in Europa ist auch in Brasilien ein großes Bienensterben zu beobachten.

In den ersten Monaten dieses Jahres sind schätzungsweise allein 500 Millionen Bienen durch die Nutzung gefährlicher Stoffe getötet worden. Theoretisch müssten die Landwirte bestimmte Regeln beim Einsatz solcher Substanzen befolgen. Allerdings ist man unter der aktuellen Regierung weit davon entfernt, die Umsetzung effektiv zu kontrollieren. In 80% der toten Bienen wurden Agrargifte wie Neonicotinoide gefunden.

Die Rolle von BAYER

Auch auf der diesjährigen Hauptversammlung der Bayer-Aktionäre wurde die Nutzung von Agrargiften in der brasilianischen Landwirtschaft thematisiert. Zur Freude des Leverkusener Unternehmens hat sich durch die Erleichterung der politischen Rahmenbedingungen der Absatzmarkt für Insektizide, Fungizide und Herbizide sowie Mittel für die Behandlung von Saatgut vergrößert. Auch im Saatgutbereich weitet Bayer seine Vormachtstellung aus.

So wird Brasilien immer mehr zum Experimentierfeld für Agrarchemikalien, die in Europa verboten oder nur zur eingeschränkten Nutzung unter klaren Sicherheitsvorkehrungen zugelassen sind. Die Ausmaße sind enorm. Wenn die insgesamt in Brasilien pro Jahr ausgebrachte Menge an Agrargiften auf die Bevölkerung heruntergerechnet wird, so kommt man auf die Menge von 7,3 Litern je Bürger*in, so eine Erhebung der brasilianischen Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben.

Alan Tygel, Vertreter der MST-nahen Kampagne sprach Ende April auf Einladung der Kritischen Aktionäre auf der Hauptversammlung von Bayer. Er berichtet, dass das brasilianische Gesundheitsministerium beträchtliche Mengen an Agrargiften wie Carbendazim, Chlorpyrifos, Diruon, Tebuconazole bereits im Trinkwasser nachweisen konnte. In Europa ist Carbendazim verboten und die anderen drei Wirkstoffe haben Grenzwerte, die um den Faktor 1.200 niedriger sind als in Brasilien. Daraufhin stellte Tygel die Frage in den Raum, ob brasilianische Körper denn etwa widerstandsfähiger seien als die europäischen. Auch Christian Russau vom Dachverband Kritische Aktionäre beklagt Bayers Doppelmoral.

Nach Außen und medial agiert das Unternehmen als angeblicher Vorreiter im weltweiten Kampf gegen den Hunger, in Brasilien vorrangig jedoch mit Herbiziden, die in Europa verboten sind. Somit erwirtschaftet das Unternehmen Gewinn auf Kosten von Leben, der Gesundheit der Menschen und der Natur. Bayer besitzt in Brasilien die Lizenz für 109 Agrargifte, davon 12, die in Europa nicht zugelassen sind.

Quellen:

Weitere Informationen:

————————————————-
Dieser Text ist Teil eines regelmäßigen Newsletters der FreundInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST e.V. und treemedia e.V.
Kontakt: amigas@mstbrasilen.de

Acampamento Marielle Vive – ein urbanes Zeltlager der MST. Ein Kommentar über Landkonflikte, Leben und Mord und das Zerstören von Ordnungen (Sept 2019)

Von Benjamin Bunk

Am frühen Morgen des 18. Juli 2019 fährt ein Mann seinen Pick-up absichtlich in eine Demonstration der Movimento dos Sem Terra (MST) in Valinhos-SP. Ein 72-jähriger Aktivist aus dem Acampamento Marielle Vive stirbt, zehn weitere werden verletzt. Eine verstörende Handlungsweise, die hier Erinnerungen an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016, dort an das Vorgehen gegen die Bewegung der Landlosen in den 1980er Jahren weckt; die erste Tote der Bewegung, Roseli Nunes, wurde auf diese Weise umgebracht. Es entsteht der Eindruck, dass Jahrzehnte der (institutionellen) Demokratisierung in manchen Köpfen keine Spuren hinterlassen haben. Und es stellt sich die Frage, ob in Zeiten, in denen äußere Ordnungen zerstört oder haltlos werden, kein innerer Halt wider den Hass besteht. Dafür steht das MST-Zeltlager Marielle Vive – aber auch für eine neue Erfahrung der MST mit urbanen Besetzungen.

weiter (PDF)

Produktive MST: ein Einblick in die Arbeit der Kooperativen der Landlosenbewegung (Sept. 2019)

Vorwort von den amigas der MST und
Reisebericht von Felix Gries, El Puente

Seit mehr als 45 Jahren arbeitet die Fairhandels-Organisation El Puente mit Partnern in Afrika, Asien und Lateinamerika zusammen, unter anderem auch mit der MST. Anfang der 1990er Jahre wurde der Mate-Tee der MST-Kooperative Copermate ins Sortiment aufgenommen und belebt seither auch in Deutschland die Gemüter. Dieses und viele weitere fair gehandelte Produkte werden hauptsächlich über die Weltläden vertrieben und auch an Großkunden und Fairhandels-Organisationen in anderen Ländern Europas verkauft.

Im September 2019 wird El Puente ein weiteres Produkt einer MST-Kooperative ins Sortiment aufnehmen: Langkornreis aus dem Süden Brasiliens. Die Kooperation ist ein Ergebnis unserer Delegationsreise im April 2018, als zwei Aktivist*innen der MST unter anderem den Sitz von El Puente in Nordstemmen besuchten. Der Hintergrund: die sich verändernde politische Situation in Brasilien führt dazu, dass die MST ihre internationalen Verbindungen stärken will – sowohl institutionell als auch im Handel.

Daraufhin reisten im Mai 2019 zwei Mitarbeiter*innen von El Puente, Felix Gies und Isolde Steinbrecher, nach Brasilien und besuchten die Produktionsstätten der MST. Im Rahmen dieses Besuches vereinbarten sie den zukünftigen Import von Langkornreis nach Deutschland.

Im Folgenden lesen Sie den Reisebericht von El Puente:


Fairer Handel und die MST: Gemeinsame Ziele für ein gutes Leben

Reisebericht von Felix Gries, El Puente

Die Zusammenarbeit von Fairem Handel und der MST sehen wir als wichtige und sinnvolle Verbindung, die es zu stärken gilt. Beide Bewegungen teilen wichtige Werte und haben gemeinsame Ziele. So setzen beide Bewegungen darauf, über den Handel mit Produkten präsent zu sein und sich gleichzeitig für politische Ziele einzusetzen. So tragen sie dazu bei, Menschenrechte zu schützen, damit insbesondere Kleinbäuer*innen und strukturell benachteiligte Produzent*innen besser leben können. Die Landfrage ist auch im Fairen Handel wichtig. Deswegen arbeitet El Puente nicht mit Plantagenbetrieben, sondern mit Kooperativen zusammen. Dadurch können Kleinbäuer*innen ihr eigenes Land für ein Einkommen bewirtschaften. Um unsere Handelspartnerschaften zu stärken, besuchen El Puente Vertreter*innen die Partner und reisten im Mai 2019 nach Brasilien zur MST.

In Porto Alegre bei der Reiskooperative COOTAP

Am Flughafen in Porto Alegre werden die Reisenden von Olavo Tatsuo Makiyama empfangen. Olavo engagiert sich seit 2011 für die MST. Seit 2019 ist er dabei, mit anderen Aktiven ein nationales Exportbüro für MST aufzubauen. In seiner Begleitung brechen Felix und Isolde zu drei Kooperativen auf. Zunächst besuchen sie COOTAP, eine Kooperative, in der sich Produzent*innen der MST im Großraum Porto Alegre zusammengeschlossen haben. Im Hauptsitz mit Büros und angeschlossenem Zwischenlager in der MST Siedlung, dem Assentamento Integracao Gaúcha, wird die Gruppe von Präsident Emerson und weiteren Vertreter*innen von COOTAP empfangen.

Die 218 Familien der Siedlung waren früher entweder Lohnarbeiter*innen für Großgrundbesitzer oder hatten überhaupt keinen Bezug zur Landwirtschaft. Als Teil der MST-Bewegung erhielten sie in den 1990er Jahren Land, das zuvor ungenutzt war und der Regierung gehörte. Schnell konzentrierte sich die Kooperative auf den Bio-Anbau, den sie erfolgreich einführte. COOTAP hat außerdem vier Bäckereien gegründet, die mehrheitlich von Frauen geführt werden.

Die Kooperative ist basisdemokratisch organisiert. Die Mitglieder sind in Assentamentos genannten Produzent*innengruppen organisiert. Innerhalb der Gruppen gibt es regelmäßige Treffen zur Koordinierung der Aktivitäten, aber auch – wie generell bei der MST üblich – zur politischen Bildung.

Besuch bei COOTAP, Foto El Puente

Die Produzent*innengruppen schicken Vertreter*innen zur jährlichen Hauptversammlung von COOTAP. Dort wird unter anderem das Preismodell für Reis verabschiedet. Die Kooperative, die in 2015 rund 1580 Mitglieder zählte, bietet diesen wichtige Leistungen. So können die Kleinbäuer*innen zu Saisonbeginn Kredite für den Kauf von Material, Saatgut (aus MST-Produktion) oder Benzin aufnehmen und nach der Ernte zurückzahlen.

Geholfen hat der Kooperative nach eigener Aussage die Politik der Regierungen Lula da Silva / Dilma Roussef, die Infrastrukturmaßnahmen förderten. Außerdem sorgten sie mit einem Gesetz dafür, dass 30% der Nahrungsmittel in öffentlichen Institutionen, darunter Schulen und Universitäten, aus Quellen der Landreform oder von Kleinbäuer*innen gekauft werden müssen. COOTAP verkauft deshalb einen Großteil seiner Produkte an öffentliche Institutionen, im letzten Jahr 90 % ihrer Reiseernte.

Unsicherheiten auf Grund der aktuellen politischen Lage

Die aktuelle Situation der Kooperative schätzen die Vertreter*innen sehr gemischt ein. Das Jahr 2018 war für COOTAP wirtschaftlich erfolgreich und es wurden viele Verträge für das Jahr 2019 abgeschlossen. Sie sind zuversichtlich, das Vorjahresniveau halten zu können. Die Zukunft ist aber angesichts der Präsidentschaft des rechtsextremen Jair Bolsonaro sehr unsicher. Die Regierung stellt sich öffentlich klar gegen die MST. Deshalb ist es für COOTAP unklar, inwiefern sie künftig noch auf ihren wichtigsten Absatzmarkt setzen können. Mit diesen Informationen und der Absprache, dass ab September 2019 Bio-Langkornreis parboiled bei El Puente erhältlich sein wird, brechen Felix und Isolde auf zur Kooperative BioNatur in Candiota.

Besuch bei COOTAP, Foto El Puente

Biologisch angebautes Saatgut von BioNatur

BioNatur ist kein Handelspartner von El Puente, aber der Besuch gibt weitere Einblicke in die Organisation der MST und die Möglichkeit neue Kooperationen anzudenken. Die Kooperative liegt sehr abgelegen, was zeigt, unter welch schwierigen Umständen die Siedler*innen der MST sich eine Existenz aufbauen mussten. Dabei erscheint es den Reisenden immer wieder beeindruckend, welch hohes Maß an Professionalität innerhalb der letzten 20 Jahren erreicht wurde.

Vor Ort berichten Mitarbeiter*innen und Direktor Alceman Afilio Inhaia , dass die Kooperative 1997 von Familien in Candiota und Hulha Negra aufgebaut wurde, die in den späten 1980er Jahren MST-Siedlungen gegründet hatten und dort Landwirtschaft betrieben. Heute vereint die Kooperative 210 Familien. Sie produziert Bio-Saatgut, was für die Mitglieder jedoch meist die zweite oder dritte Einnahmequelle neben anderen Aktivitäten darstellt. Ihr Ziel ist es, durch eine solidarische Saatgut-Produktion eine Ernährungssicherheit für künftige Generationen zu schaffen. Dabei setzen sie sich für den Schutz der Biodiversität ein und kämpfen für ein sozial, ökologisch und ökonomisch gerechtes und faires Gesellschaftsmodell. Die Kooperative versorgt die Produzent*innen mit dem Saatgut für die Aussaat, Berater*innen geben Tipps für den richtigen Anbau. In ihren Verkäufen ist BioNatur stark abhängig von Regierungsprogrammen, die Saatgut beziehen, um dieses etwa an Kleinbäuer*innen in Brasilien zu verteilen.

Professionell und solidarisch: Die Mate-Kooperative Copermate

Weiter geht die Reise nach Santa Maria do Oeste, wo die Kooperative Copermate ihren Hauptsitz hat. Von Copermate beziehen wir Matetee, die 250g Einheit als fertig verpacktes Produkt. Probleme gab es in der Vergangenheit mit überhöhten Anthrachinon Werten, weshalb wir auch im Detail den Produktionsprozess nachvollziehen müssen. Auch hier bestätigt sich der Eindruck eines hochprofessionell organisierten Partners, der seiner Arbeit dennoch einen solidarischen Ansatz zugrunde legt. Empfangen werden Isolde und Felix von Luis Z. Gomes, Geschäftsführer der Kooperative, von Mitgliedern des Verwaltungsrats und des Direktoriums der Kooperative.

Schnell wird deutlich, dass El Puente in den Anfangsjahren der Kooperative eine entscheidende Rolle bei der Professionalisierung und bei dem Ausbau der Exportaktivitäten gespielt hat. Durch einen wichtigen Partner in den USA sowie einem Regierungsprogramm konnte Copermate in den vergangenen Jahren in die Modernisierung der Produktionsanlagen investieren und die Professionalität in Bezug auf Management und Qualitätskontrolle erhöhen.

Besuch bei COPERMATE, Foto El Puente

Luis gibt uns eine ausführliche Führung durch die Verarbeitungsanlage und die Pflanzungen eines Mate-Tee-Produzenten. Dabei sprechen sie sowohl über Anbauaspekte als auch über Arbeitsbedingungen. So greift der Produzent bei der Ernte etwa auf Erntehelfer zurück. Im Gegensatz zum brasilianischen Normalfall sind diese aber mit mindestens Mindestlohn bei einem Unternehmen angestellt und sozialversichert.

Bereichernd von vielen prägenden Gesprächen mit Produzent*innen, Mitarbeiter*innen und Führungspersonal, verlassen Felix und Isolde Brasilien. In allen Gesprächen wurde klar, wie zentral der solidarische Ansatz, das gemeinschaftliche Diskutieren, Entscheiden und Handeln bei der MST ist. Mit der konsequenten Verbindung des Wirtschaftlichen mit dem Politischen ist für uns auch klar, welche Rolle der Faire Handel für die MST spielen kann: Anhand der fair gehandelten Produkte über die wichtige Arbeit der MST zu informieren.

Weitere Informationen:
El Puente GmbH: www.el-puente.de
Sektor Produktion der MST: www.mst.org.br/nossa-producao
Mate Kooperative Copermate: www.el-puente.de/handelspartner/copermate
Mate Kooperative Copermate: www.el-puente.de/handelspartner/copermate
BioNatur – biologisches Saatgut: www.bionatursementes.bio.br

———————————-
Dieser Text ist Teil eines regelmäßigen Newsletters der FreundInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST e.V. und treemedia e.V.
Kontakt: amigas@mstbrasilen.de

Dialogreise: Widerständiges aber Produktives Brasilien, Sept. 2019 mit Luana Carvalho Aguiar (MST– Rio)

Movimento dos Sem Terra und Amigas do MST, Deutschland, in Kooperation mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika und vielen Anderen

BERLIN

3.09.:    Diskussionsveranstaltung: Frauen gehen voran – Beispiele für agroökologische Praktiken in Rio de Janeiro; mit Silvia Baptista (Rio)

  • 19:00 Uhr; FDCL, Gneisenaustr. 2a [Port. mit konsekutiv Verdolmetschung Deu.]
  • Veranstaltet von: FDCL, in Kooperation mit Situated Knowledges / Global Ecologies Workshop

4.09.     Dialogue (EN): Narratives of socio- environmental justice in Brazil: on the right to the territories and imaginaries; mit Silvia Baptista (Rio), Camila Nóbrega und Barbara Marcel

  • Veranstaltet von: Situated Knowledges/Global Ecologies Workshop

Filmvorführung und Diskussion mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

  • Veranstaltet von: Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg, Situated Knowledges/Global Ecologies Workshop, Amigos do MST, FDCL, Brasilien Initiative Berlin

5.09.     Vortrag und Filmvorführung mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

  • Veranstaltet von: Prachttomate, FDCL und Amigas do MST

6.09.     Vortrag und Diskussion mit Luana Carvalho Aguiar (MST) auf dem Gira-Festival: Welches Agro ist pop? Die Lebensmittelproduktion der MST als agrarökologische Alternative

  • 12-16 Uhr:; New Yorck im Bethanien, Mariannenpl. 2a [Port. mit konsekutiv Verdolmetschung Deu.]

FRANKFURT UND KÖLN

7.09.     Aktionstag mit Feijoada, Vortrag, Filmvorführung, Protest und Tanz

Ort: Rudolfstraße 13 (Gallusviertel), 60327 Frankfurt

  •    ab 13 Uhr: Feijoada und mehr
  • ab 14:00 Uhr: Brasilianischer Chor „Canta Resistencia“ & Vorstellung und Diskussion von Abá und anderen lokalen Aktionsgruppen
  • 15 Uhr: Filmvorführung und Diskussion: Chão – Landless (2019), über eine Landbesetzung der Landlosenbewegung (MST) in Goiás, Brasilien
  • 17:30 Vortrag von Luana Carvalho Aguiar (MST): Brasilien und der aktive Widerstand der Landlosenbewegung
  • Kurzprogramm nebenbei: Präsentation von Kurzfilmen, Kampagne Lula Livre, Kampagne gegen Agrotóxicos; Petitionen zum Amazonas; Kinderbetreuung und Kinderprogramm
  •    20:00 – 22.00 Festa Brasileira &

   Veranstaltet von Abá e.V, Amigas do MST und mehr  

8.09.     Mitgliederversammlung der Freundinnen der Landlosenbewegung MST

  • Zeit: 12.30 -15.30 Uhr, Pfarrheim Maria Hilf, Frankfurt

Vortrag und Filmvorführung mit Luana Carvalho Aguiar (MST): Chão – Landless (2019)

10.09.   Besuch und Austausch bei der SOLAWI – Solidarische Landwirtschaft, Gruppe Mannheim/Ludwigshafen

  • Zeit: 16 Uhr; Ort: N.N.

Die Kämpfe der Landlosenbewegung in Brasilien unter der neuen rechtskonservativen Regierung – Information und Diskussion

  • 19-21 Uhr; Gewerkschaftshaus Mannheim, Hans-Böckler-Str. 1 [Port. mit konsekutiv
  • Veranstaltet von: Arbeitskreis: „Solidarität mit brasilianischen Gewerkschaften“ im DGB (Region Nordbaden), dem Eine-Welt-Forum; dem Zukunftsforum Gewerkschaften Rhein-Neckar, Amigas do MST

11.09.   Besuch bei Bioservice Südbaden gGmbH

Ort: Eichstetten i. Br., Freiburg

Gesprächsrunde mit der ABL

   Zeit: ca. 20-22.00 Uhr; Eichstätten

12.09.  Fachgespräch: Politik in Brasilien – Widerständige Perspektiven

Zeit: 16.30, Ort: KoBra, Kronenstraße 16a, 79100 Freiburg

  • Veranstaltet von Kobra e.V und Amigoas do MST

Brasilien zwischen Militarisierung, Korruption, politischem Chaos und Widerstand. Drei Monate Regierung Bolsonaro. Wie reagiert die MST?(Rundbrief und Kommentar, März 2019)

Liebe amigas und amigos der MST,

gut ein Vierteljahr ist die Regierung Bolsonaro in Brasilien bereits an der Macht. In diesem Rundbrief wollen wir eine ‚kurze‘ Zusammenfassung der Geschehnisse in den ersten Monaten nach der Amtsübernahme geben und haben dafür wieder drei Artikel verfasst (siehe unten).

Schon in den ersten Tagen zeigte der neue Präsident bereits im Schnellschritt, dass er das Land gehörig umkrempeln und zahlreiche Rechte und Errungenschaften einschränken will. Zahlreiche Maßnahmen sorgten – auch international für Kontroversen. Es begann mit Änderungen in der Umweltpolitik, die eine fortschreitende Abholzung im Amazonasgebiet mit sich bringen, einer radikalen Kürzung bzw. Abschaffung von Strukturförderungsprogrammen auf dem Land, ‚ideologische Säuberung‚ und Zusammenlegung von Ministerien, sowie Etablierung rückwärtsgewandter Ideologien im Bildungssystem, die weder mit der Geschichte des Landes, noch mit der Vielfalt der brasilianischen Gesellschaft kompatibel sind und der Ankündigung, die Demarkation indigener Gebiete zu beenden. Weiterlesen

Jahresbilanz der Landlosenbewegung MST (Kommentar zum Mitgliederrundbrief, Dez. 2018)

Text: treemedia e.V.

Die Wochen vor und nach der Wahl Ende Oktober waren sehr spannungsreich und zeigen die Wichtigkeit, Solidarität mit der MST zu leisten und für den Schutz von Demokratie und Menschenrechte einzutreten.

108 Menschen wurden in Brasilien in diesem Jahr infolge von Konflikten auf dem Land ermordet, 15 von ihnen waren Aktivist*innen der MST. Die letzten Opfer waren zuletzt die beiden MSTler Orlando Bernardo und Rodrigo Celestino, die in Paraíba im Nordosten des Landes erschossen wurden. Weiterlesen

„Für die zivilgesellschaftlichen Kräfte und für die MST wird die Herausforderung der Widerstand sein“ (Dez. 2018)

– Wir haben eine Zukunft zu errichten. Eine Zukunft, die nicht kommen wird, wenn wir nicht fähig sind, die bestehende Ordnung zu überwinden.

Von Ayala Ferreira*

Der zukünftige Präsident Jair Bolsonaro kriminalisiert mit hasserfüllten Äußerungen die MST und ihren Prozess im Kampf um Land und für eine Agrarreform. Dies fordert nicht nur den Widerspruch einer organisierten Zivilgesellschaft heraus, sondern zeigt auch eine klare Positionierung einer Person, die zwar über eine große Verantwortung verfügt, aber zugleich die Realität im Agrarsektor unseres Landes, der durch unzählige Konflikte und Morde an Landarbeiter*innen geprägt ist, überhaupt nicht kennt. Weiterlesen

Die Siedlung „Maria Lara“ und das Konzept der Agrarökologie der MST (Okt 2018)

Wenige Monate nach der Delegationsreise der MST (Movimento dos sem Terra, Bewegung der Landlosen) durch Europa besuchte Constanze Lemmerich die Vertreterin der Nationaldirektion der MST, Ceres Hadich, im Bundestaat Paraná. Ceres vertritt dort die Landlosenbewegung und ist zuständig für die Koordination in der Region Parana. Dort ist die MST seit vielen Jahren stark vertreten. Aber immer wieder kommt es dort auch zu heftigen Konflikten. 

Hier der Beitrag [pdf] von Constanze Lemmerich (São Paulo), erschienen zunächst in CONTRASTE 13 (Okt. 2018; www.contraste.org).