Das Gift des Agrobusinesses

Schädlingsbekämpfungsmittel kontaminieren Lebensmittel und die Umwelt

Übersetzung aus „Letraviva¹, 11. April 2011“, anlässlich der „Campanha Permanente contra o Uso dos Agrotóxicos e pela Vida“ (ständige Kampagne gegen Pestizide & Düngemittel und für das Leben)
von Manuel Graf

Die Vereinigung des Finanzkapitals mit dem traditionellen Großgrundbesitz brachte das sogenannte „moderne“ Agrobusiness hervor. Diese Logik der Ausbeutung der Erde – gekennzeichnet durch riesige Anbauflächen, Monokulturen, hauptsächlich exportorientierte Getreideproduktion, Mechanisierung und damit Abbau der Arbeitsplätze und Niedriglöhnen – erfordert zudem einen giftigen Inhaltsstoff. Laut einer aktuelle Studie wurden 2009 mehr als eine Milliarde Liter Schädlingsbekämpfungsmittel allein auf den Äckern Brasiliens vergossen. Das bedeutet, dass jeder Brasilianer zirka 5,2 Liter Gift pro Jahr einnimmt, enthalten in Lebensmitteln und kontaminiertem Wasser.

Die Auswirkungen der Gifte auf die menschliche Gesundheit ist groß, sowohl Landarbeiter, die direkten Kontakt mit den Produkten haben, als auch Anwohner und Konsumenten sind von ihnen betroffen. Unzählige Fälle von Nervenkrankheiten, Geburtsfehlern, Krebs und sogar Todesfälle wurden bereits registriert.

In 2009 hat sich Brasilien zum größten Schädlingsbekämpfungsmittel-konsumenten der Welt entwickelt. Die maßlose Verwendung von Giftstoffen ist das Abbild des Agrobusinesses: Trotz des viel beschworenen „technischen Fortschritts“ ist es dem Agrobusiness nicht gelungen ein Produktionsmodell und Landwirtschaftstechniken zu entwickeln, die die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln sicherstellen. Warum auch? Dies liegt nicht im Interesse und der Logik des Agrobusinesses.

Das ländliche Entwicklungsmodell des Agrobusiness vertreibt Kleinbauern von deren Land, zerstört die Erde, füllt riesige Anbauflächen mit Maschinen und Giften, bezahlt  seine wenigen Arbeiter schlecht. Und wofür das alles? Für den Verkauf von Soja und Zuckerrohr an andere Länder. Mit politischer Rückendeckung werden GVOs (gentechnisch veränderte Organismen) zügig genehmigt – obwohl deren potenzielle Schäden auf die menschliche Gesundheit noch nicht erforscht sind. Zugleich wird mit aller Kraft versucht, den bisherigen Código Florestal² aufzuweichen, um noch mehr Tropenwald abholzen zu können ohne dafür belangt zu werden. Letzlich soll aus Brasilien erneut eine riesige Ausbeutungskolonie gemacht werden, eine Spielewiese der multinationalen Konzerne.

Aus diesem Grund haben wir uns mit über zwanzig Organisationen der brasilianischen Zivilgesellschaft zusammengeschlossen, sozialen Bewegungen, Umwelorganisationen und Forschungsgruppen, und haben die „Campanha Permanente contra o Uso dos Agrotóxicos e pela Vida³“ ins Leben gerufen.

Die Kampagne zielt darauf ab eine Debatte mit der Bevölkerung zu fördern, sowohl über die Auswirkungen der Giftstoffe auf die Gesundheit der Landarbeiter, der ländlichen Bevölkerung und der städtischen Konsumenten, als auch über die Kontaminierung der Böden und Gewässer. Darüber hinaus möchte die Kampagne auf fehlende Kontrollen in den Bereichen der Nutzung, des Konsums und des Verkaufes von Schädlingsbekämpfungsmitteln und Düngemitteln aufmerksam machen.

Die Kampagne sieht Aktivitäten in ganz Brasilien vor. Am siebten April fand bereits eine Protestaktion mit über dreitausend Teilnehmern in Brasília statt, die öffentlich auf die Verantwortung des Agrobusinesses für den exzessiven Gebrauch von Schädlingsbekämpfungs-mitteln in Brasilien aufmerksam machte.

Nehmen Sie teil an dieser Kampagne, um ein für alle mal mit den Schädlings-bekämpfungsmitteln Schluss zu machen!

 

Fussnoten:

¹. Letra Viva: regelmäßig erscheinender Newsletter der MST

². Código Florestal: in den letzten Monaten heftig umkämpftes Waldschutzgesetz Brasiliens

³. “Campanha Permanente contra o Uso dos Agrotóxicos e pela Vida“: ständige Kampagne gegen Pestizide & Düngemittel und für das Leben

Übersetzung: Manuel Graf

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