Marsch gegen Monsanto (Freiburg)

24. Mai 2014; Rede von Wolfagng Hees (Amigas do MST) auf dem „Marsch gegen Monsanto“ (Freiburg)  [Mehr…Video]

Liebe AktivistInnen, liebe Interessierte,

heute ist der Internationale Aktionstag  „March against Monsanto“ & Co – in 500 Städten weltweit  demonstrieren wir unter dem Thema Konsum-rEvolution gegen die Machenschaften von Chemie und Biotec-Konzerne und das gesamte Agrobusiness:  Monsanto, BASF, Bayer, Du Pont-Pioneer, Dow Chemicals, Pfizer, Syngenta, KWS aber auch die Händler wie Cargill, Toepfer, Bunge, Archer Midlands oder die Technikkonzerne  wie Agco (Fendt, Massey-Fergusson, Challenger, Valtra etc).

Immer mehr verquickt (gerade letzten Monat haben sich Du Pont Chemie mit Pioneer Saatgut und Getreidehandel und Agco zu einer neuen Kooperation zusammen geschlossen) bieten sie nur noch ein Modell der Weltlandwirtschaft an: Gentechnik, Gift, chemischen Dünger, Großtechnik und Monokulturen.

Ziel ist mehr und immer mehr Profit – das sind die Konzerne, die das Freihandelsabkommen TTIP brauchen – damit wir als Bauern mitmachen müssen . Und ihr als Konsumenten sollt das Zeug fressen. Gemeingüter wie Natur, Wasser, Luft, Boden werden vernichtet, verpestet und zerstört.

Deshalb ist die KonsumrEevolution notwendig:

Wir kämpfen für

–          Vielfalt, Ökologie, Regionalität, Nachhaltigkeit , Gesundheit,

–          Und konkret für eine gentechnikfreie Landwirtschaft, für artgerechte Tierhaltung, für gesunde Ernährung

WARUM keine Gentechnik bei uns und weltweit?

Dazu erzähle ich euch eine Geschichte:

1974 brachte Monsanto das Breitband bzw. Totalherbizid Round-up auf den Markt. Wirkstoff ist Glyphosat – und das macht alles tot, was grün ist: einkeimblättrige und zweikeimblättrige, Gräser, Büsche, Bäume. Es wird traditionell als Vorauflaufmittel gespritzt, also bevor die Saat aufgeht, um das Feld sauber zu machen. In meiner Lehrzeit – das war 1979 – setzte man  2 l pro Hektar an, dieses Jahr haben mich brasilianische Bauern, denen ich das erzählte, ungläubig angeschaut: inzwischen werden bis zu 10 Liter je Hektar gespritzt weil sich in gerade mal 30 Jahren hohe Resistenzen gebildet haben!

Nach 20 bis 30 Jahren liefen in den verschiedenen Ländern die Patente für Round-up aus und andere Hersteller durften das eigentlich billige Glyphosat nun auch billig auf den Markt schmeißen. Der Profit mit Round-up sank dramatisch. Da  das Round-up aber einer der profitabelsten Bereiche für Monsanto war, musste eine neue Strategie her: die Gentechnik. Denn mit der round-up-Ready Technologie lässt sich wieder zu überhöhten Preisen Round-up zusammen mit dem Saatgut verkaufen – für Mais,  Soja, Luzerne, Baumwolle, Zuckerrüben. Da die Anwendung im Vorauflauf nicht mehr genügt und mehrfach gespritzt werden muss, haben diese Kulturpflanzen ein Gen eingebaut, dass das Round-up ihnen nichts anhaben kann. Nun können auch die bepflanzten Felder gespritzt werden und das mit immer höheren Mengen, da die Beikräuter ebenfalls Resistenzen entwickelt haben.

Die andere Monsanto-Technologie ist das bt-Gen des bacillus thuringiensis, ein Bazillus der Insekten tötet. Entwickelt gegen die Maiszünslerlarven im Mais tötet es aber auch andere Schmetterlinge und Insekten, die von der Pflanze fressen und mit ihr in Berührung kommen. Kombiniert mit den Neonicotinoiden (Insektiziden auf Tabakbasis) ist diese Monsantotechnologie verantwortlich für das zunehmende Insekten und Bienensterben!

Eine dritte wichtige Technologie in Entwicklung sind die Terminatorgene, die dazu führen, dass die Kulturpflanzen  steril werden, also nicht wieder  keimen. Das führt dazu, dass  die Bauern diese Pflanzen nicht mehr nachbauen können, sondern jedes Jahr neues Saatgut bei Monsanto nachkaufen müssen. Baut er round-up-ready oder bt-Kulturen nach, so muss er an Monsanto Gebühren dafür zahlen, denn diese Kulturen wurden von Monsanto „patentiert“. Dabei haben sie nur ein Gen in Saatgut eingebaut, dass Bauern im mehr als 1000 Jahren aus dem Wildmais selektiert haben und das deshalb eigentlich ein Gemeingut der Menschheit ist.

Alle diese  Technologien töten ausnahmslos und reduzieren so die Biodiversität.  Die Monokulturen von Mais, Soja, Baumwolle, Zuckerrohr  verwandeln die Natur ist artenarme Agrarsteppen.

Ihr müsst euch klar machen, dass ihr mit transgenen Produkten diese Inhaltsstoffe auch aufnehmt: round-up, die Bazillen, die Sterilitätsgene. Und Tierversuche haben ergeben, dass gentechnisch gefütterte Tiere früher sterben, wenig aktiv und weniger fruchtbar sind.

In der EU müssen zwar genetisch veränderte Nahrungsmittel  als solche beschriftet werden, nicht der Fall ist das bei Tierfutter, das darf transgen sein und wird nicht gekennzeichnet. Wir essen also alle schon heute indirekt transgene Pflanzen. Die Geflügelindustrie hatte sich –ebenso wie vor 14 Jahren McDonalds – selbst verpflichtet, keine genetisch veränderten Futtermittel einzusetzen. Die Selbstverpflichtung wird jetzt aufgekündigt, da ein Masthähnchen dann 9 Ct. Billiger produziert werden kann – gentechnikfreies Futter  ist etwa 10% teurer als genmanipuliertes.

Und der steigende Verbrauch an Fleisch kurbelt die Produktion von Mais und Soja an. Hier tragen die Verbraucher  eine hohe Verantwortung – aber sie haben auch einen mächtigen Hebel in der Hand: mehr Bio und weniger Fleisch sind nicht nur gesünder sondern auch unser politisches Machtmittel gegen diese Konzerne.

Neben den wachsenden Resistenzen =mehr round-up etc.  gibt es das Problem der Genübertragung, durch Wind und  Insekten werden die Pollen mit manipulierten Gene auf andere Kultur- und Wildpflanzen übertragen, die dann auch Insektengifte produzieren, round-up-resistent oder steril werden. Besonders dramatisch ist die Situation in Brasilien wo wie auch in Argentinien,Paraguay, Kanada und den USA der Kampf gegen die Gentechnik schon verloren scheint und z.B. Sojakuluren schon zu 90% transgen sind.

In Brasilien beträgt der theoretische Pro-Kopf-Konsum an Agrargiften schon mehr als 6 Liter Gift pro Einwohner.  In Brasilien wird Soja wirtschaftlich nur noch auf Betrieben von mehr als 2000 Hektar angebaut (Durchschnittgröße eines Bauernhofes in D: 56 ha), je 800 ha wird ein Treckerfahrer benötigt. Da die Nachfrage nach Soja und Zuckerrohr als Agrotreibstoff weiter steigt, werden immer weiter neue Flächen im Regenwald gerodet und unwiederbringlich zerstört. Kleinbauern werden von ihren Höfen vertrieben und zur Versorgung der einheimischen Bevölkerung importiert Brasilien Nahrungsmittel.

Durch die Genübertragung gibt es dort schon fast kein gentechnikfreies Soja mehr. Deshalb soll  jetzt die Toleranzgrenze auf 0,9% transgene Verseuchung hochgesetzt werden. Auf einem Hektar Mais mit durchschnittlich 100.000 Pflanzen bedeutet das 900 genetisch manipulierte Pflanzen bzw. Kolben!

Zukünftig werden diese Schwellen immer weiter steigen, denn die Verseuchung nimmt immer mehr zu. Es ist höchste Zeit etwas zu ändern, sonst wird unsere Zukunft transgen.  Monsanto und Co freuen sich schon!

Wir von der AbL, der Via Campesina, von Bioland, , den Amigos der Landlosenbewegung MST sind eure Verbündeten. Kauft nachhaltige gentechikfreie Produkte, esst weniger Fleisch!

Ihr habt die Marktmacht und wählt morgen gegen TTIP  –  danke schön! A luta continua!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.