Brasilien Landreform und Klimagerechtigkeit

Der Flächenstaat Brasilien ist geprägt durch eine extrem ungleiche Landverteilung. In Brasilien besitzen etwa 10 % der Bevölkerung rund 80 % des Landes. Diese Situation ist sowohl Folge historischer Entwicklungen in Brasilien als auch eine Folge der Globalisierung der Weltwirtschaft. Insbesondere in den letzten 50 Jahren hat sich das Verhältnis von Landbevölkerung und Stadtbevölkerung in Brasilien praktisch ins Gegenteil verkehrt. Heute leben aufgrund dieser „Landflucht“ 85% der brasilianischen Bevölkerung in Städten. Die Folge sind gewaltsame Konflikte auf dem Land und massive soziale Konflikte in den Städten. Die Agrarpolitik und insbesondere der Wirtschafts-, und Exportpolitik der letzten Jahre in Brasilien hat diese Entwicklung gefördert.

Der Klimawandel als globales Problem hat in den letzten Jahren diese Situation auf dem Land in Brasilien noch massiv verschärft. Zum einen sind es die direkten Auswirkungen wie Wassermangel, Sinken der Biodiversität und zum Teil auch Überschwemmungen, die bereits jetzt die tagtägliche Existenz der armen Landbevölkerung bedroht. Zum anderen führt der Klimawandel indirekt zu einer Verschärfung der sozialen, politischen und ökologischen Situation auf dem Land indem vermeintlich im Namen des Klimaschutzes in den letzen Jahren die „Produktion“ von Agrokraftstoffen und der Zellulose für den Export vorangetrieben wurde.

Die komplexen Folgen dieser Entwicklung sind steigende Nahrungsmittelpreise, erhöhter Wassermangel, der Ausbau der industriellen Landwirtschaft, die Förderung der Gentechnik und eine größere Umweltbelastung durch Brandrodung und führen damit letztlich zu noch mehr Konflikten und Verdrängung auf dem Land.

Was hat all dies mit „Klimagerechtigkeit“ zu tun? Die zentrale Frage der Debatte um „globale Klimagerechtigkeit“ lautet: Wie müsste eine Klimapolitik gestaltet sein, die auf eine Lösung der Klimakrise abzielt, bei der die Lasten und Kosten dieser Politik, also die Bürde der erforderlichen Emissionsreduktionen und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel „gerecht“ verteilt werden? Damit zusammen hängt aber auch langfristige Frage: wie müsste Politik gestaltet sein? Oder kurzfristig: Wie müsste Entwicklungszusammenarbeit gestaltet werden? Das Fallbeispiel Brasilien demonstriert in exemplarischer Weise, wo hier eine Schieflage besteht, aber auch wo Alternativen zur herrschenden (Klima)Politik liegen könnten.

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