„Für die zivilgesellschaftlichen Kräfte und für die MST wird die Herausforderung der Widerstand sein“

– Wir haben eine Zukunft zu errichten. Eine Zukunft, die nicht kommen wird, wenn wir nicht fähig sind, die bestehende Ordnung zu überwinden.

Von Ayala Ferreira*

Der zukünftige Präsident Jair Bolsonaro kriminalisiert mit hasserfüllten Äußerungen die MST und ihren Prozess im Kampf um Land und für eine Agrarreform. Dies fordert nicht nur den Widerspruch einer organisierten Zivilgesellschaft heraus, sondern zeigt auch eine klare Positionierung einer Person, die zwar über eine große Verantwortung verfügt, aber zugleich die Realität im Agrarsektor unseres Landes, der durch unzählige Konflikte und Morde an Landarbeiter*innen geprägt ist, überhaupt nicht kennt.

Der Soziologe Florestan Fernandes sagte einst: „Der Klassenkampf in unserem Land ist zwischen denen, die Besitz haben, und denen, die keinen haben“. Abhängig von den Interessen des Kapitals und dem politischen Kontext sind die Zusammenstöße gewalttätig und die Landarbeiter*innen sind benachteiligt.

Was wir in dem derzeitigen Kontext mit den Aussagen von Bolsonaro und dessen Anhängern wahrgenommen haben ist, dass ihnen Privatbesitz “heilig” ist. Daher sind die Fragen wesentlich, ob Land eine soziale Funktion erfüllt und ob die Demokratisierung des Zugangs zu Land ein würdiges Leben für diejenigen, die es benötigen, hervorbringt.

Ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein hat Bolsonaro bereits jetzt schon zur Gewalt angestiftet und dazu aufgefordert, diejenigen, die für eine Agrarreform kämpfen mit Flammenwerfern und Gewehren zu töten. Es sind Aussagen des Klassenhasses, die die traurige Realität vertiefen, die gekennzeichnet ist durch Konflikte und Morde an Landarbeiter*innen.

Seit 1985 sammelt die Landpastorale (CPT) Daten zu Agrarkonflikten in unserem Land: Bis Ende 2017 wurden 1.904 Menschen in 1.438 Konflikten auf dem Land ermordet. Vor allem konzentrierten sich diese Konflikte auf den Norden, wobei der Schwerpunkt auf den Bundesstaaten Maranhão, Rondônia und Pará lag. In diesen Bundesstaaten sind seit der Zählung der Landpastorale CPT insgesamt 970 Menschen in 658 Konflikten um Land ermordet worden. .

Anhand dieser Daten sollte auch die Zunahme an Massakern und der Anstieg der Gewalt im Zuge des institutionellen Putsches von 2016 hervorgehoben werden. In 32 Jahren verzeichnete das CPT 46 Massaker, denen 220 Menschen zum Opfer fielen. Die Massaker waren akribisch vorbereitet und hatten zum Ziel, andere Aktivist*innen einzuschüchtern. So wie im Jahr 2017 erlebten wir die exponentielle Zunahme von Konflikten: bei 28 Massakern wurden 70 Bauern, Indigene und quilombolas auf dem Land ermordet.

All dies sind nicht nur Statistiken, sondern die Offenbarung des grausamen Gesichts derer, die den Großgrundbesitz beibehalten wollen. Dafür nutzen sie sogar die günstige politische Situation der Straflosigkeit um diejenigen zu verfolgen und zu ermorden, die um Land, für die Agrarreform und für ein würdiges Leben auf dem Lande kämpfen.

Nach der von Intoleranz und Anstiftung zu Gewalt geprägten Wahlkampagne, wird die Regierung Bolsonaro nun auf institutioneller Ebene versuchen, den freien Zugang zu Waffen für Landbesitzer zu garantieren, die Besetzung von ländlichen und städtischen Grundstücken als terroristische Aktionen zu definieren und die Kriminalisierung von Organisationen und politischen Aktivist*innen im legitimen Kampf um die in der Verfassung garantierten Grundrechte auszubauen.

Es werden Gesetzesinitiativen diskutiert, die gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung gerichtet sind und die die demokratischen Prinzipien des Landes zutiefst verletzen. Angesichts dieses Szenarios wird die Herausforderung für weite Teile der zivilgesellschaftlichen Kräfte und für die MST der Widerstand sein.

Indem wir die Erhöhung des Organisierungsgrades mit Bildungsarbeit an der Basis kombinieren, ermöglichen wir es, dass politische Kämpfe ausgedehnt und verbunden werden. Dafür sind Forderungen nötig, die die Wünsche der Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Um den möglichen Abbau von Grundrechten wie die Vereinigungsfreiheit oder die Meinungsfreiheit zu verhindern, ist ein Bündnis notwendig, das sowohl von der breiten Bevölkerung getragen wird, als auch auf juristischem Wege gegen die Regierung vorgeht.

Es ist wahr … Der Weg ist lang und mühselig. Doch wir wurden geschmiedet, indem wir uns allen Hindernissen, die errichtet wurden um die Demokratisierung des Landes und die Umsetzung der Agrarreform zu verhindern, entgegenstellten. Wir behalten die zahlreichen ermordeten Aktivist*innen im kollektiven Gedächtnis und sind uns darüber bewusst, wie schwierig die Situation in den meisten Zeltlagern ist. Wir haben die Stärke ihres Blickes – Töchter und Witwen der Erde – die selbst angesichts des Schmerzes und des Verlustes nicht zurückschrecken und entschlossen den Traum verfolgen, die Erde und die Menschen frei und glücklich zu sehen.

Wir haben eine Zukunft zu errichten. Eine Zukunft, die nicht kommen wird, wenn wir nicht in der Lage sind, die bestehende Ordnung zu überwinden. In der Gegenwart bereiten wir die Schritte vor, die uns zur Emanzipation des Menschen führen wird. Bereit für den Kampf?

* Ayala Ferreira ist Mitglied in der Nationaldirektion der MST

Originalartikel: http://www.mst.org.br/2018/11/06/ayala-ferreira-para-as-forcas-populares-e-para-o-mst-o-desafio-sera-a-resistencia.html

Übersetzung: CoLe / Korrektur: Manuel Graf

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