Jahresbilanz der Landlosenbewegung MST

Text: treemedia e.V.

Die Wochen vor und nach der Wahl Ende Oktober waren sehr spannungsreich und zeigen die Wichtigkeit, Solidarität mit der MST zu leisten und für den Schutz von Demokratie und Menschenrechte einzutreten.

108 Menschen wurden in Brasilien in diesem Jahr infolge von Konflikten auf dem Land ermordet, 15 von ihnen waren Aktivist*innen der MST. Die letzten Opfer waren zuletzt die beiden MSTler Orlando Bernardo und Rodrigo Celestino, die in Paraíba im Nordosten des Landes erschossen wurden.

Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer, dass einige demokratische Kräfte im Land noch greifen und die Projekte der Bewegung weiterhin Modellcharakter für eine gesellschaftliche Transformation haben.

Ein paar Zahlen:

Im Jahr 2018 produzierte die MST in ihren Genossenschaften 600.000 Säcke Reis.

Damit ist sie weiterhin der größte Produzent von Bio-Reis in Brasilien. Auf 18 landesweiten Messen wurde der Bevölkerung das gelebte Konzept der Agrarökologie näher gebracht, sowie die Produkte der MST vermarktet. 1049 Säcke Bohnen, 800.000 Säcke Kaffee und etwa drei Millionen Liter Milch pro Tag werden mittlerweile in den assentamentos und acampamentos der Bewegung produziert.

Durch Abkommen mit Universitäten auf Bundesebene konnten in diesem Jahr Studierende in 61 Kursen einen formalen Studienabschluss absolvieren. 44 Personen aus dem Nachwuchs der MST wurden dabei als Agraringenieur*innen ausgebildet. Zudem wurden 25.000 Arbeiter*innen durch das Programm „Sim, eu posso“ (Ja, ich kann) „Sim, eu posso“ alphabetisiert.

2018 besetzte die Bewegung 60 unproduktive Latifundien und errichtete 800 neue Siedlungen, in der rund 90.000 Menschen sich nun eine Zukunft auf dem Land aufbauen können.

Rund 150 Lager und Siedlungen der MST sind allerdings derzeit von Räumung bedroht. Eine der Siedlungen, die in den letzten Wochen für Schlagzeilen sorgte, ist die Siedlung in Adrianópolis im Süden des Bundesstaates Minas Gerais, die mit samt der bekannten Kaffeekooperative Guaií in Campo de Meio geräumt werden sollte.

Nach vielen Wochen des Bangens auf Grund einer richterlichen Anordnung der Wiedereinsetzung des Eigentums, das João Faria da Silva – einer der größten Kaffeeproduzenten der Welt – für sich beanspruchte, ist die Räumung nun – zumindest vorerst – ausgesetzt. Der Standort war 1998 nach der Insolvenz des Werks mit Schulden in Millionenhöhe besetzt worden, beherbergt heute 450 Familien, darunter viele ehemalige Arbeiter*innen des Werks, die damals unter zum Teil sklavenähnlichen Bedingungen lebten und arbeiten.

Ein weiteres Lichtzeichen: Ende November hat ein brasilianisches Gericht in zweiter Instanz in einem Zivilprozess den Schweizer Konzern Syngenta als mitverantwortlich an der Ermordung des MST-Aktivisten Valmir Mota de Oliveira, genannt Keno, verurteilt. Keno war bei einer Besetzung eines Geländes von Syngenta im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná im Jahr 2007 erschossen wurden.

Das Jahr 2018 kann die MST mit der Gewissheit abschließen, im Zeichen des Widerstands zu stehen:

„Momente, wie diese, öffnen den Weg für ultraliberale rechte Regierungen, wie wir sie in vielen Ländern gesehen haben und jetzt in Brasilien sehen. Um diesem Szenario zu begegnen, können wir die Theorie nicht von der Praxis trennen. Soziale Transformationen hängen von vielen Händen und vielen Organisationen ab sowie von der Einheit mit einem politischen Projekt und dem Errichten konkreter Maßnahmen. “ so Gilmar Mauro von der Nationaldirektion der MST in einer Rede zum Jahrestreffen der Freund*innen der MST in der Bundesschule der Bewegung Florestan Fernandes (ENFF).

Hinsichtlich der jetzigen politischen Lage wurde dieses Treffen ein großer Akt der Solidarität.

Hintergründe:

  • Eine Retroperspektive (Port.) auf 2018 gibt Gilmar Maures in einem Interview mit Brasil de Fato

  • Video (Port.) zur Agrarreform, den Messen und der Produktion der MST sowie Stadt-Land Beziehung.

  • Zu der Verurteilung Sygentas. Bericht von Mario Schenk in Amerika21 und Christian Russau auf KoBra.

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Quellen aktualisert: 11.01.2019

Dieser Text ist Teil eines regelmäßigen Newsletters von den FreundInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST e.V. und treemedia e.V.

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