Agrarreform in Brasilien: Ernüchternde Zahlen

Für KoBra von Kirsten Bredenbeck, Mai 2009

Zu Beginn seiner Regierungszeit hatte der brasilianische Präsident Lula einen Agrarreformplan ausarbeiten lassen. Dieser endete mit dem Jahr 2007. Ein anschließender Agrarreformplan wurde von der brasilianischen Regierung nicht entwickelt. Knapp 5 Mio brasilianische Familien sind landlos, während gut 4.000 Großgrundbesitzer über 85 Millionen Hektar Land verfügen.

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Amazonien: Klimapolitik und Amazonas

In: Amazonien. Stadt – Land -Fluss. Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde zwischen Schutz und Nutzung
Eine neue Publikation von: Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e. V. (ASW), Fórum da Amazônia Oriental (FAOR) und Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL). Berlin, 2009.

Wird das Klima in Amazonien gerettet?

Tropenwälder in den internationalen Klimaverhandlungen In den trüben Dezembertagen des polnischen Winters 2008 konnte das tropische Brasilien glänzen: Während der Klima-Konferenz in Poznan lancierte der brasilianische Umweltminister, Carlos Minc, den „Nationalen Plan über Klimaveränderung“. Brasilien hatte damit den Entwurf für eine Klimapolitik vorgelegt, die freiwillige Reduktionsziele beinhaltet. In Poznan fehlte es nicht an Lob und Ehrgeiz. Al Gore betonte, dass Brasilien nun eine führende Rolle bei den Kimaverhandlungen übernommen habe und Ban Ki-Moon bezeichnete die brasilianische Wirtschaft gar als eine der grünsten der Welt. Minister Minc konnte triumphieren: “Brasilien hat lange in der Defensive gespielt. Wir möchten nun eine Führungsrolle übernehmen.” Aber trifft das zu?

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Schulen des MST sollen wieder geöffnet werden

Auf massiven Druck der MST und Öffentlichkeit – sogar aus dem konservativen Lager, wurde in einer neuerlichen Anhörung vor der Erziehungskommission der des Landesparlaments beschlossen die Schließung Schulen der MST in Rio Grande do Sul unter bestimmten Auflagen rückgängig zu machen.

„Eine andere Gesellschaft ist möglich“. Interview mit Isaias Vedovatto von MST

Seit Jahrzehnten treiben die sozialen Bewegungen Lateinamerikas den sozialen Umbruch voran. Die neuen linken Regierungen werden teilweise darauf zurückgeführt. In Brasilien ist das Verhältnis der MST zur Regierung angespannt und der erhoffte soziale Wandel der Gesellschaft noch weit entfernt. Doch was soll sich überhaupt wandeln und vor allem wie und warum? Vor welchen Herausforderungen sieht sich diese Bewegung auf ihrem Weg zu einer Agrarreform heute?

In diesem Interview erläutert Isaias Vedovatto das Selbstverständnis der Bewegung vom sozialem Wandel. Er ist seit der ersten Landbesetzung der Movimento dos Sem Terra dabei, in diversen Führungsgremien aktiv, und von 1999 bis 2004 als Vertreter der Bewegung in der Landesregierung von Rio Grande do Sul tätig.  (Auszüge; in ähnlicher Form erschienen in der Lateinamerika Nachrichten , 418, April 2009)

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Gouverneurin schließt Schulen der MST in Rio Grande do Sul

Seit Mitte Februar hat die Landesregierung in Rio Grande do Sul, unter der Gouverneurin Yeda Crusius, mehrere Schulen der Landlosenbewegung MST mit dem Argument geschlossen, die nationale Sicherheit zu gefährden: Die Polizei hatte in den Schulen Bücher von Paulo Freire und Florestan Fernandes gefunden.
Dies hat im brasilianischen Nationalparlament und International für Aufregung gesorgt.

Eine Stellungnahme des Kapuziner Mönchs Frei Pilato Pereira:

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25 Jahre MST

Der Kampf geht weiter: 25 Jahre Landlosenbewegung Movimento dos Sem Terra

Auf der Nationalversammlung anlässlich ihres 25jährigen Bestehens gibt sich die Landlosenbewegung Brasiliens kämpferisch und selbstbewusst. Die aktuelle Wirtschaftskrise wird als eine Chance für die Bewegung wahrgenommen und als Bestätigung für die Notwendigkeit ihres alternativen Entwicklungsmodells. Trotz neuer Herausforderungen in der Landfrage, einem politisch schwierigen Umfeld und interner Probleme der letzten Jahre, gibt sie sich optimistisch und sucht nach strategischen Allianzen für eine Zeit nach Lula. Weiterlesen

Conflitos no Campo 2007

Seit 23 Jahren verfasst die Comissão Pastoral da Terra einen jährlichen Bericht, in welchem die Gewalt auf dem Land dokumentiert wird. Auf den ersten Blick scheinen die Landkonflikte welchen die ländliche Bevölkerung, deren Bewegungen und Organisationen ausgesetzt sind, im Jahr 2007 [1] zurück gegangen zu sein. (erschienen Brasilicum 170, Mai 2008)

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Auftraggeber im Fall Dorothy freigesprochen!

Mit Bestürzung haben wir die Nachricht der Freilassung des Fazndeiros Vitalimar Bastos de Moura vernommen. Dieser wurde als Auftraggeber der 74-jährigen Nonne Dorothy Stang rechtskräftig zu mehr als 20 Jahren verurteilt. Dennoch wurde der fazendeiro jetzt nach 20-minütiger Verhandlung in der 2.Instanz freigesprochen.

Wir bitten Sie, sich dafür einzusetzen, dass auch im Bundesstaat Pará rechtsstaatliche Grundsätze angewendet werden und nicht nur der pistoleiro eine Haftstrafe zu verbüssen hat sondern ebenso dessen Auftraggeber zur Rechenschaft gezogen wird.

Secretária de Estado Maria do Socorro Gomes

Fone: (91) 4009-2700
Fax: (91) 3225-1632 / 3242-9651
Email: seju@seju.pa.gov.br
Endereço: Rua 28 de setembro nº 339 – Comércio
Belém-PA – CEP: 66010-100

Agrokraftstoffe: Marina Silva übernimmt Propaganda der Zuckerrohr-Ethanolindustrie

(Übersetzung: Christian Russeau, FDCL-Berlin)

São Paulo, 06/05/2008 – Während des Brasilienbesuchs des bundesdeutschen Umweltministers, Sigmar Gabriel, stimmte letzte Woche die Umweltministerin, Marina Silva, in den Chor von Präsident Lula ein, indem sie in Bezug auf Agrokraftstoffe behauptete, “Brasilien verfügt in der Produktion schon jetzt über Umwelt- und Sozialkriterien” und müsse diese nur “publik machen”. Nach Ansicht der in der Arbeitsgruppe Energie des Brasilianischen Forums von Nichtregierungsorganisationen und Sozialen Bewegungen für Umwelt und Entwicklung (FBOMS) versammelten Organisationen und Bewegungen sind solche vermeintlich in Brasilien angewandten oder von der Regierung definierten und in der Praxis umgesetzten Kriterien der Gesellschaft nicht bekannt. Für die Organisationen verschärft die weltweite Ausweitung des Ethanolmarktes die bereits existenten Probleme in Brasilien, dies sowohl in Bezug auf die sozialen Auswirkungen als auch in Bezug auf die Impakte auf die Biodiversität.

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Und immer wieder Dorothy

Am 12. Februar jährte sich zum dritten Mal der Mord an der Ordensschwester Dorothy in Anapu, im Bundesstaat Pará. Die beiden Todesschützen Rayfran das Neves Sales und Clodoaldo Batista, der Mittelsmann Amair Feijoli da Cunha und einer der Auftraggeber Vitalmiro Bastos de Moura wurden inzwischen verurteilt und sitzen sogar in Haft. Im Kontext einer Regierung Lula, welche die Föderalisierung der Prozesse und polizeilichen Ermittlungen ermöglichte, und der internationalen Aufmerksamkeit, ist dies ein bemerkenswert einzigartiger und schneller rechtlicher Erfolg – aber nicht genug!

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