30 Jahre MST: Mehr als nur der Kampf um Land

(von Manuel Graf, 19.02.2014, Brasilien/Venezuela)

Der Großteil der Landbevölkerung Brasiliens befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Lage. Auch unter Dilma Rouseff, die seit 2011 die Regierung stellt, konnten keine strukturelle Veränderungen am landwirtschaftlichen Modell des Agrobusiness erreicht werden. Im Jahr 2013 wurde so wenigen Familien Land zugesprochen, wie seit Jahren nicht mehr. Grund dafür ist nicht nur fehlender politischer Wille der PT-Regierung und die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im brasilianischen Kongress, sondern auch der konservative Justizapparat. Dazu kommt der hohe Druck von Seiten multinationaler Konzerne, des Finanzkapitals und der Großgrundbesitzer, sowie die Monopolstellung konservativer und neoliberaler privater Medien. Weiterlesen

VI. Nationalkongress der MST, 9.-14.02.2014

Link

VI Nationalkongress der MST, 9.-14.02.2014

Von 9. bis 14. Februar 2014 findet in Brasilia der VI. Nationalkongress der brasilianischen Landlosenbewegung statt. Erwartet werden anlässlich ihres 30jährigen Bestehes etwa 15 000 Landlose, viele internationale Gäste und eine Kampfansage an die aktuelle Regierung deren Untätigkeit hinsichtlich einer notwendigen Agrarreform in Brasilien nicht tatenlos hinzunehmen.

Motto: Lutar, Construir Reforma Agrária Popular!

Leitspruch: Kampf, der Weg zu einer sozialen Agrarreform!

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Die kommenden Tage wollen wir hier Links (portugiesisch), eigene Berichte und Fotos von dem Nationalkongress und eine Übersetzung der zentralen Erklärungen zugänglich machen:

  • Artikel: 30 Jahre MST – Mehr als nur der Kampf um Land

Der Großteil der Landbevölkerung Brasiliens befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Lage. Auch unter Dilma Rouseff, die seit 2011 die Regierung stellt, konnten keine strukturelle Veränderungen am landwirtschaftlichen Modell des Agrobusiness erreicht werden. Im Jahr 2013 wurde so wenigen Familien Land zugesprochen, wie seit Jahren nicht mehr. Grund dafür ist nicht nur fehlender politischer Wille der PT-Regierung und die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im brasilianischen Kongress, sondern auch der konservative Justizapparat. Dazu kommt der hohe Druck von Seiten multinationaler Konzerne, des Finanzkapitals und der Großgrundbesitzer, sowie die Monopolstellung konservativer und neoliberaler privater Medien…  (mehr…)

  • Das Programm einer ländlichen Entwicklung der MST (pdf; mehr…), Ergebniss eines seit zwei Jahren geführten Diskussionsprozesses in den einzelnen Zeltlagern, Siedlungen und Arbeitsgruppen/Sektoren.
  • Ein umfangreicher Artikel im „Guardian“ zum Nationalkongress (mehr…)
  • Portugiesische Webseite zum Nationalkongress mit Interviews, Bildern und Erklärungen (mehr…)
    • Kommentar und Fotos zur Eröffnung in der Folha de S.Paulo (mehr…)
    • 16 000 protestieren friedlich für eine Agrarreform und den sozialen Wandel in der Hauptstadt: Polizei reagiert mit Konfrontation (mehr…)
    • Sitzung mit der Präsidentin Dilma: Die MST bekräftigt ihre Forderung nach einer Agrarreform als alternatives Modell einer lädnlichen Entwicklung (mehr…)
    • Eindrücke der Auftaktveranstaltung des MST-Kongresses (video…), weitere Videos der MST von und über den Kongress (mehr…).
    • „Sem Terrinha“ besetzen das Erziehungsministerium (video…)

 

Landkonflikte in Felisburgo und aktuelle Proteste in Belo Horizonte

Bis heute ist der ländliche Raum in Brasilien durch gewaltsame
Landkonflikte geprägt. Das Massaker von Eldorado de Carajás oder die
Ermordung der amerikanischen Ordensschwester Dorothy Stang sind hierfür
nur die prominentesten Beispiele.
Eines der größten Hindernisse für friedliche und demokratische
Auseinandersetzung und damit  gerechte Entwicklung des ländlichen Raums
ist die weitgehende Straflosigkeit auf Seiten der Großgrundbesitzer.

Am 20. November 2004 wurden in der Nähe von Felisburgo, im Hinterland
von Minas Gerais, Brasilien, 5 landlose Landarbeiter durch einen
Großgrundbesitzer und seine Privatmiliz ermordet und 20 weitere
verletzt. Bis heute gab es keine rechtskräftige Verurteilung.
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Agrobusiness – Landwirtschaft zum Wohle weniger

Ein Kommentar aus Brasilien von Manuel Graf, über Agrobusiness und die Forderungen der ländlichen Sozialen Bewegungen

Keine 500 Meter von meinem Zuhause entfernt schleppt sich etwa alle viertel Stunde ein schwer beladener Güterzug vorbei in Richtung des 50 Kilometer entfernten Porto de Santos, dem größten Hafen Lateinamerikas. Ein Spaziergang an der Bahnlinie entlang gibt Aufschluss über deren Fracht: hauptsächlich Maiskörner und Sojabohnen sind auf dem Boden verstreut. Von Santos aus gehen diese Erzeugnisse dann in alle Welt, wo sie in Futtertrögen oder als Ethanol verarbeitet in Autotanks landen. Heute bestehen 80% der brasilianischen Exporte aus landwirtschaftlichen und industriellen Rohstoffen, was gegenüber 1980 ein Rückschritt darstellt, als der Anteil der Industrieprodukte am Export bei 60% lag. Weiterlesen